Die Mailingliste: der gelebte Teil des Akita Clubs
Montagmorgen. Noch nicht richtig wach, schalte ich meinen Rechner an
und startete mein E-Mail-Programm. Schon beim Runterladen [Abholen der
eingegangenen E-Mails] zähle ich mit 1.. 2.. 3... 4... 7... 8 E-Mails
von der Akita-Mailingliste. Ein paar Mails für die Arbeit sind auch
dabei, aber die kommen erst später dran.
Es ist ein Ritual, jeden Morgen werden zuerst die Nachrichten von der
Liste gelesen, in aller Ruhe mit einen heißen Tasse Kaffee und dem
Gefühl im Bauch Freunde auf einen Plausch zu treffen.
Die meisten Absenderadressen, die da frühmorgens auf meinen Bildschirm
zu sehen sind, kenne ich seit meinem ersten Kontakt mit der Mailingliste.
Nicht persönlich, aber durch ungezählte E-Mails sind sie mir
doch vertraut.
Ich bin jetzt seit mehr als einem Jahr dabei und durch das regelmäßige
Lesen lernt man ein Stück von dem Leben der Menschen und Hunde kennen,
die hinter den E-Mail Adressen stehen.
Ich erfahre von ihren Glücksmomenten, von ihren Sorgen, Problemen
und manchmal auch von der Trauer ihren guten Freund verloren zu haben.
Es geht dort halt nicht nur um die sachliche Auseinandersetzung über
die Haltung von Akitas, sondern die Liste spiegelt das Leben mit Akitas
wieder.
Jeder, der neu dazu kommt, wird freundlich und ohne jeden Vorbehalt
aufgenommen. Zu allen Fragen und Problemstellung bekommt man eine Reaktion,
auch wenn es um Themen geht, die regelmäßig in der Mailingliste
auftauchen.
Mein Probleme sind gut in der Mailingliste aufgehoben
Mein Hund war noch keine 4 Monate alt, als er die ersten Allergiesymptome
zeigte. Theoretisch weiß ich eine Menge über die Rasse, aber
wenn man dann mit einem dicken Problem konfrontiert wird, ist das trotz
Wissens um Lösungen nicht einfach.
Sehr verunsichert habe ich mein Problem geschildert und erhielt eine
Menge kompetenter Antworten, Hilfestellungen und noch viel wichtiger:
Anteilnahme und Mitgefühl.
Ich hatte das Gefühl nicht damit alleine zu sein und das macht
vieles leichter.
Als das Thema Hundeverordnung akut war, gab es auch in der Liste eine
Menge Diskussionen und hitzige Mails, die deutlich die emotionale Beteiligung
wiedergaben. Für mich war die Liste zu dieser Zeit eine Möglichkeit
meine Unverständnis und meine Angst loszuwerden, zu hören wie
es so in den anderen Bundesländern und im deutschsprachigen Ausland
läuft.
Natürlich gibt es auch Diskussionen über Themen, wo es erheblich
Meinungsunterschiede gibt, doch bis auf ganz, wirklich ganz wenige Ausnahmen,
kann man sich sicher sein nicht persönlich angegriffen zu werden,
nur weil man sich nicht dem allgemeinen Tenor anschließt. Der Umgang
untereinander ist höflich, manchmal wünsche ich mir, ein bißchen
von dieser Toleranz auch für die reale Welt.
Humor: wichtig im Umgang mit Akita
Ein ganz wichtiger Faktor, warum es auch eine Menge Spaß macht,
ein Teilnehmer der Liste zu sein, ist der humorvolle Umgang mit den Unwägbarkeiten
eines Akitabesitzers. Eine "Mitschreiberin" hat in einem außergewöhnlich
witzigen Bericht die Probleme bei der Urinentnahme ihres Hundes beschrieben.
Die Mail erhielt ich gegen Mittag an einem besonders stressigen und unerfreulichen
Tag im Büro. Das Lesen war ein reines Vergnügen.
Man lacht aus vollem Herzen, und was ist schon ein nicht funktionierender
Rechner gegen die Versuche von Gabi, ihrem Hund ein bißchen Pipi
zu entlocken?
Auch die Versuche unserer Erziehungsmaßnahmen werden schon mal
sehr humorvoll dargestellt, obwohl der Hintergrund ein eher ernster ist.
Aber manchmal hat man einfach keine Lust mehr immer nur trotzig mit den
Füßen aufzustampfen und sich für unfähig zu halten.
Ein bißchen Selbstironie bringt einen dann schon wieder auf den
Teppich und die meisten Mitleser und Mitbetroffene können das wohl
ganz gut nachvollziehen.
Je länger man liest und mitschreibt, desto vertrauter werden die
anderen "Listies" und ihre Hunde.
Vor einigen Wochen ist der Hund einer der aktivsten Mitschreiberinnen
gestorben. Es löst mehr aus als nur das Wissen um den Verlust eines
Hundes. Ein bißchen ist es so als hätte man beide persönlich
gekannt.
Das Lesen der E-Mails ist fast wie ein Treffen unter Akitabesitzern
Ob es wichtig ist, die Menschen hinter den E-Mail-Adressen persönlich
zu kennen? Es ist schön, wenn es sich ergibt, aber für mich
spielt es keine bedeutende Rolle.
Während ich das hier schreibe, liegt mein sturer, willensstarker
und doch so charmanter Hund neben mir, und wenn ich am Montagmorgen meine
Mails lese, weiß ich, dass ich mit meinem Dickkopf nicht alleine
bin.
Ich freue mich auf die Storys aus dem Urlaub, die neusten Infos wie
man mit einer Hausstauballergie fertig wird, Hunde zum Autofahren bewegt,
Ausstellungsergebnisse, Zuwachs, Ernährungstipps oder die neusten
Erlebnisberichte zum Thema Fahrrad fahren und Jagdtrieb.
Auch wenn der Kontakt nur "virtuell" stattfindet, ist es ein
bißchen so wie ein Treffen unter Akitabesitzern. Nur dass ich meinen
Kaffee dabei nicht teilen muß. :-)
im März 2001, Nicole Kuschel und Tejar

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